
NFL Reise Jacksonville Jaguars: Very british im Duval County
NFL · 17. Juni 2024 · 4 Min. Lesezeit
Dominik Sander
Eine NFL Reise zu den Jacksonville Jaguars hat ihren ganz eigenen Charme. Baden gehen beim Football - egal wie es für Trevor Lawrence und Co. auf dem Feld läuft - gehört in den beiden Pools direkt über der nördlichen Endzone im EverBank Stadium zum Gameday-Erlebnis. Alternative für eher wasserscheue Fans? Die NFL London Reisen des wohl britischsten aller 32 NFL-Teams.
6437 Kilometer trennen den Duval County (Florida), Heimat der Jacksonville Jaguars, und den langjährigen NFL International Series Standort in London. Ob Shahid Khan für seine täglichen Business-Talks aus den USA ein rotes Smartphone nutzt, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Jedenfalls hat der in Pakistan geborene Sport-Tycoon das, was im Volksmund als „heißer Draht“ bekannt ist. Zwischen der amerikanischen Football-Liga und der englischen Premier League. Vom EverBank Stadium in den im Umbau befindlichen Craven Cottage (mehr über Premier League Reisen FC Fulham) - „Chad“ is calling!
Fußball meets Football: Heißer Draht zwischen Jacksonville und Fulham
Als „Wächter über Fulham“ hat sich Shahid Khan bei der Übernahme des Clubs aus dem Londoner Westen rührend inszeniert. Noch etwas länger in seinem Portfolio: Diverse Luxus-Yachten und eben die Jaguars. Auf Geheiß des unter den 100 reichsten Einwohnern der USA gelisteten Owners (geschätztes Privatvermögen: 7,8 Milliarden US-Dollar) startete das Team 2013 seine erste NFL International Series Reise. Premiere im Wembley: Nur um beim 10:42 gegen die San Francisco 49ers abseits der Heimat baden zu gehen, stöhnten die einen.
Ein smarter wie gut getimter Schachzug für ein so genanntes Small Market Team im US-Sport, meinen andere. Bei NFL & Fußball-Vergleichen winke ich oft reflexartig ab. An dieser Stelle und im Zuge der Owner-Verbindung scheint es wiederum sinnvoll. Sprich: Der FC Fulham und die Jacksonville Jaguars wandeln auf ähnlichen Wegen. Jeder für sich umringt von Hochburgen mit dutzenden Stars und wesentlich größerer Fan-Base.
NFL London Reise: Jaguars ein gern gesehener Gast
Absteigen, so wie die „Cottagers“ alleine dreimal zwischen 2014 und 2022, können die Jags im Closed Shop-System der NFL selbstredend nicht. Aber es gibt Tage im ohnehin als Rentnerparadies verschrienen Jacksonville, an denen sich der Gemütszustand ähnlich anfühlen dürfte. Neidische Blicke gehen oft zum South Beach nach Miami.
Und als sich die Tampa Bay Buccaneers vor vier Jahren erst Star-Quarterback Tom Brady und dann den Super Bowl LV (31:9 gegen die Kansas City Chiefs) geangelt hatten - inklusive viraler Clips von der Boot-Parade auf dem Hillsborough River - da ließ man sein Jaguars-Trikot doch besser im Schrank verschwinden…
Immerhin mit dem Titel als eines der „Most Wanted NFL Teams“ auf der Insel kann sich das Franchise aus dem Duval County schmücken. Ein langfristiger Deal für NFL International Games in London, der nur während der Corona-Pandemie 2020 kurz unterbrochen wurde, macht es möglich. „Als wir anfingen, waren wir das 31. von 32 NFL-Teams, wenn es um die Anerkennung außerhalb der USA ging. Heute sind wir definitiv unter den Top 5“, zeigt sich Shahid Khan stolz.
"Union Jax“ fluten die Pubs - "London Jaguars" ein Wunschtraum
Stellvertretend dafür, weil omnipräsent in den Pubs, auf den Tailgating Parties vor dem Kick-Off und auch im Stadion, stehen die „Union Jax“. Den englischen NFL Fanclub der Jaguars nach der britischen Flagge (Union Jack) zu taufen, dürfte vielen Engländern geschmeichelt haben. In Zahlen ausgedrückt: 80.000 Member am Jahresende 2018. Zuvor akklimatisierte sich das Team durch die ersten beiden „Auswärtserfolge“ im Wembley. Einem 30:27-Erfolg über den Divisions-Rivalen Indianapolis Colts (2016) folgte ein Touchdown-Feuerwerk mit der bis heute zweitgrößten Punkte-Differenz in einem NFL London Game.
Mit 44:7 wurden die Baltimore Ravens von den Jaguars (hier die Highlights ansehen) aus dem Stadion gefegt. In Marcedes Lewis (heute Chicago Bears), der gleich drei Touchdowns fing, sahen die englischen Zeitungen – in Anlehnung an den Spitznamen des Tight End - einen "Big Dog on the loose" (übersetzt: Großer Hund auf freiem Fuß). Vier weitere Siege konnten die „Union Jax“ mit ihrem Team bis heute bejubeln. Klingt erstmal nach Magerkost, aber in Relation gesetzt, weisen nur sechs andere NFL Teams mit mindestens vier London-Gastspielen dort einen positiven Record auf.
Ob dieser nach dem neuerlichen Double Header gegen die Chicago Bears sowie die New England Patriots (alle Tavel Pakete zu den NFL London Games 2024) bestehen bleibt? Das wäre aus meiner Sicht eher denkbar als ein immer wieder kolportierter, dauerhafter Umzug des Teams nach London. Ja, Shahid Khan wäre das Wembley-Stadion einmal fast in die Hände gefallen. Offizielles und später zurückgezogenes Kaufangebot: 700 Mio. Euro. Die logistischen Herausforderungen für die anderen Teams, die ein Abnicken der anderen 31 Owner erfordern – wohlgemerkt mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit – machen daraus letztlich heiße Luft... In diesem Sinne: Gute Reise zu den „London Jaguars“ aus dem Duval County!
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