
Formel 1 in Hockenheim: Erstmals seit 2019 wird wieder verhandelt
Formel 1 · 21. August 2026 · 6 Min. Lesezeit
Redaktion
Am 6. August 2026 fiel ein Satz, auf den deutsche Formel-1-Fans sieben Jahre gewartet haben. Und er fiel nicht in einer Pressekonferenz, sondern in einer Telefonkonferenz mit Investoren — was ihn ungleich wertvoller macht.
Stefano Domenicali, Chef der Formel 1, sagte über eine mögliche Rückkehr nach Deutschland: „It was Hockenheim that connected with us, and they had the first discussion." Hockenheim hat sich also gemeldet. Und es hat das erste Gespräch gegeben.
Das ist keine Ankündigung. Aber es ist das Erste seit dem letzten Rennen 2019, das über „man müsste mal" hinausgeht.
Was gesagt wurde — und was nicht
Halten wir die beiden Hälften auseinander, denn beide zählen.
Die gute Hälfte: Es gibt Gespräche, sie sind von der Formel-1-Spitze selbst bestätigt, und die Initiative kam von der Strecke. Dass Domenicali das gegenüber Investoren sagt und nicht auf einer Fanveranstaltung, ist entscheidend — dort wird niemand aus Höflichkeit optimistisch.
Die andere Hälfte: Domenicali sagte im selben Atemzug, eine Rückkehr sei „mid-term, not short-term". Mittelfristig, nicht kurzfristig. Es gibt keinen Termin, keinen Vertrag, keine Zusage.
Und noch etwas fällt auf: Der Nürburgring kam in seinen Überlegungen nicht vor. Die Eifel hält sich auch selbst zurück — dort ist der Kalender voll, und ein Formel-1-Rennen ohne langfristige Perspektive will man nicht. Wenn die Formel 1 nach Deutschland zurückkehrt, spricht heute alles für Hockenheim.
⚠️ Und was Sie ignorieren sollten
Seit August kursiert in sozialen Netzwerken eine Welle von Beiträgen mit dem Wort „CONFIRMED" und einem angeblichen Zitat, wonach es „definitiv passieren" werde. Das ist eine Aussage aus zweiter Hand, nicht von Domenicali. Wenn Sie so etwas sehen: Es gibt keinen Termin.
Warum das Rennen überhaupt verschwunden ist — es lag nicht an uns
Das ist der Teil, den viele falsch in Erinnerung haben. Der Große Preis von Deutschland ist nicht an mangelndem Interesse gestorben.
2018 kamen 71.000 Zuschauer nach Hockenheim — das beste Ergebnis seit 2005. Das Motodrom war zum ersten Mal seit über zehn Jahren ausverkauft. Ein Jahr später war das Rennen weg.
Der Grund steht in keiner Rennstatistik: 20 bis 30 Millionen Euro Antrittsgebühr, Jahr für Jahr, bevor der erste Zuschauer durch die Schranke geht. Rund neunzig Prozent der übrigen Veranstalter im Kalender bekommen dafür Geld aus öffentlicher Hand — Staaten, die ein Rennen als Standortwerbung verstehen. Hockenheim hatte das nie.
Der Umbau, der die Strecke rettete und ruinierte
Die Wurzel liegt noch weiter zurück. 2002 wurde der Hockenheimring für über 60 Millionen Euro umgebaut: Der lange Waldkurs verschwand, übrig blieben die heutigen 4,574 Kilometer. Der Umbau machte die Strecke formel-1-tauglich — und zugleich schuldenbeladen.
Schon 2007 folgte daraus die Rotation mit dem Nürburgring: ein Rennen alle zwei Jahre, weil sich keiner der beiden Standorte einen jährlichen Termin leisten konnte. Es war eine Notlösung. Und ausgerechnet sie ist heute der Hoffnungsträger.
Rotation: der einzige realistische Weg — und es gibt einen Präzedenzfall
Beide Seiten sagen inzwischen dasselbe. Die Geschäftsführung des Hockenheimrings hat es öffentlich formuliert: eine Rückkehr sei nur im Wechsel mit anderen europäischen Standorten vorstellbar.
Genau das praktiziert die Formel 1 inzwischen. Barcelona und Spa teilen sich ab 2027 die Termine — und mit dem so frei gewordenen Platz wurde die Rückkehr der Türkei finanziert. Was für Istanbul funktioniert, kann für Hockenheim funktionieren.
Der Haken, den wir nicht verschweigen: Die beiden für 2027 frei gewordenen Plätze sind bereits vergeben, und die Formel 1 hält am Deckel von 24 Rennen fest. Ein deutsches Rennen kann also nur nachrücken, wenn ein weiterer Standort in die Rotation geht oder ein Vertrag ausläuft. Das ist genau das, was Domenicali mit „mittelfristig" meint.
Warum ein Rennen in Hockenheim etwas Besonderes ist
Falls es kommt, kommt es an einen Ort, den es in dieser Form kein zweites Mal gibt: das Motodrom.
Auf dem letzten Streckendrittel führt der Kurs in ein enges Rund aus hohen Tribünen, das sich um die Kurvenkombination legt. Von dort sehen Sie nicht eine Vorbeifahrt, sondern den kompletten Abschnitt — Anbremsen, Einlenken, Beschleunigen — und Sie hören ihn zwischen den Betonrängen doppelt. Bis zu 120.000 Menschen passen auf das Gelände. Das ist mehr als in jedes deutsche Fußballstadion.
Alles Weitere zur Strecke finden Sie auf unserer Seite zum Hockenheimring.
Die Abende, an die man sich erinnert
1992 gewann Nigel Mansell in Hockenheim vor 120.000 Zuschauern — Zahlen, die heute kein europäisches Rennen mehr erreicht. Es folgte die Ära, in der ein deutsches Heimrennen ein Nationalfeiertag war: Michael Schumacher, ein Meer roter Kappen, ausverkaufte Tribünen.
2010 fiel hier einer der berühmtesten Funksprüche der Formel-1-Geschichte. „Fernando is faster than you" — die Aufforderung an Felipe Massa, seinen Teamkollegen Alonso vorbeizulassen. Es war Runde 48 von 67; eine Runde später wechselten die Positionen, und die Diskussion über Stallorder dauerte Jahre.
2019, beim bislang letzten Rennen, regnete es. Max Verstappen gewann ein Rennen, in dem reihenweise Fahrer von der Strecke rutschten. Und Sebastian Vettel fuhr von Startplatz 20 auf Platz zwei — sein Heimrennen, im Regen, von ganz hinten. Wenn Sie einen Grund suchen, warum deutsche Fans dieses Rennen zurückwollen: Das ist er.
Bis dahin: Diese Rennen sind erreichbar
Solange kein deutscher Termin steht, liegt das nächste Grand-Prix-Wochenende trotzdem näher, als viele denken.
- Großer Preis von Belgien in Spa-Francorchamps — von Aachen eine Autostunde, und zugleich die Strecke, die das Rotationsmodell gerade vormacht. Für viele Deutsche das naheliegendste Rennen überhaupt.
- Großer Preis von Österreich in Spielberg — der Klassiker für Reisende aus dem Süden, mit einer der besten Stimmungen im Kalender.
- Großer Preis der Türkei — die Strecke, die es zurück in den Kalender geschafft hat. Wenn Sie sehen wollen, wie eine Rückkehr aussieht: hier.
Wir stellen Ihnen Ticket, Hotel und Anreise als Paket zusammen — bei einem Rennwochenende ist das die Kombination, an der es sonst scheitert.
Kurz beantwortet
Kommt die Formel 1 nach Hockenheim zurück?
Es gibt Gespräche, die die Formel 1 selbst bestätigt hat. Einen Termin gibt es nicht. Domenicali spricht von mittelfristig.
Warum nicht der Nürburgring?
Die Eifel hält sich zurück, und in den Aussagen der Formel-1-Spitze kommt der Nürburgring nicht vor. Aktuell führt Hockenheim das Gespräch allein.
Warum ist das Rennen überhaupt verschwunden?
An der Antrittsgebühr von 20 bis 30 Millionen Euro. Rund neunzig Prozent der anderen Veranstalter werden staatlich bezuschusst, Hockenheim nicht.
Wann könnte es so weit sein?
Frühestens, wenn ein Platz im 24-Rennen-Kalender frei wird oder ein weiterer Standort in die Rotation geht. Die beiden für 2027 frei gewordenen Plätze sind bereits vergeben.
Kann ich mich schon vormerken lassen?
Ja. Sagen Sie uns Bescheid — sobald ein deutscher Termin steht, melden wir uns bei Ihnen, bevor der reguläre Vorverkauf startet.
Stand: 21. August 2026. Wir aktualisieren diese Seite, sobald es Belastbares gibt — und wir hoffen sehr, dass wir sie bald umschreiben müssen.
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