
NFL Reise Los Angeles: Miles & More-Saison für die LA Chargers?
NFL · 19 August 2024 · 5 min read
Dominik Sander
„Diese Stadt ist zu klein für uns beide.“ Nein, der aus Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar (1964) und anderen diversen Spaghetti-Western bekannte Spruch muss bei einer NFL Reise Los Angeles niemand befürchten. Das sündhaft teure SoFi Stadium, vor den Toren der Glitzermetropole in Inglewood gelegen, verwandelt sich ab September wieder vom „Rams House“ zur Heimat der „Bolt Fam“ - und wieder zurück!
Von heute (19. August) an, ist der Kick-Off zur NFL Saison 2024 noch zweieinhalb Wochen weg. Der noch laufenden Pre Season misst der Großteil der Football-Community eine Strahlkraft und Bedeutung zu, die sich noch unter Fußball-Testspielen einordnen lässt. Dennoch können wir hier und heute sagen: Congratulations, LA Chargers! Wie? Was? Und ganz Playoffs? Ein genauerer Blick auf den Schedule (mehr über die NFL Spielplan 2024 Highlights) reicht aus, um die Kalifornier zum „NFL Travel Champion“ zu krönen.
Ohne NFL International Series Reise: Chargers meilenweit vor Panthers und Jaguars
Über die Regular Season wird kein Team mehr Meilen zurücklegen als Justin Herbert, Joey Bosa und Co. Allein dreimal führt die Reise an die Ostküste. Dreimal „from Coast to Coast“ (Gegner: New England Patriots, Carolina Panthers, Pittsburgh Steelers), wie meine amerikanischen Bekannten sagen würden. Dazu kommt das jährliche Gastspiel der „Bolts“ bei den Kansas City Chiefs, ihres Zeichens im dreieinhalb Flugstunden von Kalifornien entfernten US-Bundesstaat Missouri beheimatet.
Wem der Jetlag bei einer NFL Event Reise schon mal übel mitgespielt hat, der sollte vor der folgenden Zahl besser die Augen verschließen. Auf dem Weg zu den neun Auswärtsspielen der LA Chargers verändert sich 36 (!) Mal die Zeitzone. Stehen bleibt das Travel-Meter nach dem Gastspiel bei den Las Vegas Raiders in Week 18 schließlich bei 26.803 Meilen (ca. 43.135 Kilometer). Mehr als die Panthers, die inklusive ihrer NFL München Reise immerhin 21.288 Meilen abreißen.
Nur ein LA-Team feiert rauschende Playoff-Partys im SoFi Stadium
Ja, die Jacksonville Jaguars mögen als Dauerbrenner wieder zwei NFL International Series Reisen nach London vor sich haben. Warum das Franchise aus Florida dennoch nur im soliden Mittelfeld (22.075 Meilen) des Travel-Rankings liegt? Im Zuge des Back to Back-Games - in Tottenham treffen die Jags auf die Chicago Bears und im Wembley auf die New England Patriots (alle Hotel und Ticket-Angebote für die NFL International Series 2024) - bleibt das Team direkt auf der Insel, bevor es in der vorletzten Oktober-Woche zurück in den Sunshine-State geht.
Mit der Reise-Route des LA Chargers Spielplans lässt sich übrigens einmal die gesamte Welt entlang des Äquators (24.901 Meilen) umrunden. Ob zu Miles noch etwas „More“ in sportlicher Hinsicht dazukommt? 2017 lockte die Stadion-Perspektive die damaligen San Diego Chargers in die Stadt der Engel, die sich einen Hightech-Football-Tempel (Baukosten: Fünf Milliarden US-Dollar) vor die Tore gestellt hat.
Über die folgenden Jahre lässt sich nunmehr das Bild eines Teams zeichnen, das stetig auf der Stelle (Record: 57-58) tritt. Nur 2018 und 2022 gelang der Einzug in die NFL Playoffs. Wäre auch alles halb so wild, gäbe es da nicht ein Team direkt vor der eigenen Haustür. Smarter, erfolgreicher sowie auf und abseits des Feldes mehr Westcoast-like - so kommen die ursprünglich aus St. Louis hergezogenen Rams mit ihrem jungen Head Coach Sean McVay rüber!
House of Reign: Mit Rückkehrer Jim Harbough gegen die Vorherrschaft
55 Siege hat der 38-Jährige in 81 Regular Season-Spielen auf dem Kerbholz, gehört zu den besten Offensive Play Callern der NFL. Sich McVays defensivem Mastermind (Brandon Staley) zu bemächtigen, brachte den Chargers nicht den nachhaltigen Erfolg und dem Stadtnachbarn dennoch einen weiteren Super Bowl-Ring an die Hand. „House of reign“, titelte die Los Angeles Times nach dem 23:20-Triumph über die Cincinnati Bengals. Wohlgemerkt im eigenen Wohnzimmer, was im American Football einerseits Seltenheitswert und gleichzeitig die LA-interne Hackordnung manifestiert hat.
Zum - um das sprachliche Bild zu Beginn noch einmal aufzugreifen - Revolvermänner-Duell LA Rams vs LA Chargers kommt es durch die Einteilung in verschiedene Divisionen nur im Vier Jahres-Zyklus. 2026 dann womöglich mit dem von der University of Michigan in die NFL zurückgekehrten Jim Harbough an der Sideline der „Bolts“. Für viele Coaches ist der Gang ans College eine Einbahnstraße, erst Recht mit einer „6“ vorne. Ausgestattet mit einem Fünfjahresvertrag und Justin Herbert als Franchise-QB will es der 60-Jährige noch einmal wissen.
Außer seinem unlängst in Rente gegangenen Trainer-Rivalen Pete Carroll erlebte nur Harbough als Coach ein NFL-Endspiel sowie das National Championship Game im College. Letzteres gewann er mit den Michigan Wolverines zu Jahresbeginn, vollendete so eine Fabel-Saison (15-0). Ob Jim Harbough eine ähnliche Ära wie bei seiner ersten NFL-Station in San Francisco (u.a. drei NFC Championship Games in Folge) prägen wird, weiß ich nicht. Aber: Wer bei einer NFL Reise Los Angeles nur Augen für die LA Rams hat, könnte sich ärgern…
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